Schon wieder Gartensalat
Die WM ist - abgesehen vom unendlich grauenhaften Finale - vorbei, unsere Jungs haben einen fantastischen dritten Platz gemacht und im Gegensatz zu gewissen schlechtgelaunten Schönwetterfans haben wir das letzte Nacht noch ausgiebig gefeiert - so ausgiebig, dass wir eigentlich noch zum Fischmarkt hätten weiterziehen können, aber nach 8 Stunden Stadtrundfahrt in der Sonne bei 33-39°C war an komplett durchmachen für mich trotz des Endorphinschubs nicht zu denken.
Auf dem Weg zur U-Bahn hat mich dann meine Begleitung schändlicherweise mal für zwei Minuten allein gelassen, und schwupp, hatte ich einen neuen Freund gefunden, der mir so lange Gesellschaft leisten wollte, damit mich nicht irgendwelche Typen anquatschen. Also: außer ihm natürlich, aber er hielt die Begleitung praktischerweise für meinen Freund und wollte wohl wirklich nur quatschen.
“Schon wieder Gartensalat”, eröffnete er unser tiefgründiges Gespräch über den Kiez am frühen Morgen, um dann auf mein verdutzt-belustigtes Gesicht einzugehen, indem er mir erklärte, dass er zum Ende der Kieztour immer hungrig werde und dann meist bei einem Gartensalat lande, um wenigstens die vielen Kohlenhydrate zu meiden. Schließlich müsse man auch ein bisschen auf die Gesundheit achten, wenn man die ganze Nacht durchsäuft so lange auf den Beinen ist. Und wo er gerade da sei, wolle er mal lieber auf mich aufpassen, bis mein Freund wiederkäme, denn um die Uhrzeit trieben sich ja wirklich üble Gestalten auf der Reeperbahn rum.
Als ich sagte, dass ich mir da wenig Sorgen mache und jahrelang auf dem Kiez gelebt habe, konnte er gar nicht fassen, wie man da wohnen kann. In diesem Moloch! Auf dem Land isses doch viel schöner! An dieser Stelle stieß mein Begleiter wieder dazu und bekam auch noch mal die Gartensalat-Weisheit zu hören. Ich habe leider glatt versäumt, dem Knaben mitzuteilen, dass er die Ansprache mal bei einem Mädel seines Alters versuchen sollte - könnte ne gute Anmache sein, wenn selbst ich alte Zicke daraufhin mit ihm rede …
Hab ich erwähnt, dass ich den Kiez liebe?