Schau, ich bin so schlau!
Was mich an Zeitungen wie Zeit, SZ & Co. meist stört, ist der Ton. Viele der Redakteure schreiben Artikel, bei denen jeder Satz zu schreien scheint: “Sieh nur, wie clever ich bin!” Und so kann ich es meist nicht lange ertragen, besagte Blätter zu lesen. Schade eigentlich, denn davon abgesehen finden sich dort ja durchaus interessante Artikel.
Vor einigen Tagen gab es zum Beispiel diesen hier zum Thema Literaturkanon. Natürlich, das ist alles nicht neu, und geklärt wird die Frage durch diese Beiträge schon gleich gar nicht. Aber diese Aneinanderreihung verschiedener Verfasser hat mir persönlich ein paar neue Lesetipps gebracht - und zwar nicht etwa aus der Reihe der genannten Klassiker. Die geistigen Ergüsse des Herrn Vennemann werde ich mir schon deshalb mal ansehen, weil mehr als eine Freundin nach dem Lesen des Artikels scherzte, den Text dort habe doch ich unter Pseudonym geschrieben. Mir ist, um ein Bild von Florian Illies zu bemühen, das mir im Gegensatz zum Großteil seines Werks außerordentlich gefiel, schon in diesem kurzen Text danach, ein Ausrufezeichen hinter jeden Satz zu malen.* Dass mir Herr Heinrich sympathisch ist, liegt vermutlich nicht nur an der norddeutschen Seele. Und Herr Ramstedt könnte auch jemand sein, den man im Auge behalten sollte. Alle drei stehen jetzt auf meiner Liste für die Zeit, in der ich endlich wieder aus purem Vergnügen lesen kann.
Frau Wolf und Herrn Brodowsky hingegen werde ich wohl eher meiden. Die klingen, als könnten sie dauerhaft zu Redakteuren werden - in Zeitungen, die ich nicht mag.
*Selbstverständlich würde ich das nie tun, schon gar nicht im Illiesschen Sinne.