Ups.
Ich bin fast etwas peinlich berührt, dass ich im März kaum Lebenszeichen von mir gegeben habe. Aber mir war so gar nicht danach, zu schreiben - einerseits, weil mir das alles hier täglich mehr auf den Sack geht, und andererseits, weil ich momentan irgendwie permanent schlafen könnte.
Ich hätte nie gedacht, dass aus mir stinkfauler Schülerin mal jemand wird, dem Arbeit - und zwar welche mit was zu tun und so - mal so wichtig wird. Es kotzt mich an, dass mein Job so langweilig und in meinen Augen vollkommen sinnlos ist.
Ich schaffe es zwar mittlerweile an den meisten Tagen, irgendwas Positives zu finden, aber etwas anders hatte ich mir das schon vorgestellt. Und die positiven Erfahrungen haben meist mit den gleichen Schülern zu tun. Ich habe Matthias schon angedroht, zusätzlich zum Adoptivkater auch mit einem Adoptivsohn zurückzukehren ;o) Seltsamerweise wollte er den dann aber nicht bei sich wohnen lassen.
Aber manchmal können die positiven Erfahrungen dann auch aus den negativen resultieren: Eine der ätzendsten Schülerinnen in den Fremdsprachen - die Grazie, die vor einiger Zeit mal einen Mitschüler gebissen hat, als sie mit mir draußen waren - hat sich gestern mal wieder selbst überboten, als eine Vertretungslehrerin da war, die noch ganz neu war. Und zudem indischer oder pakistanischer Abstammung, was wohl die Bevölkerungsgruppe ist, auf die der “White Trash” (O-Ton einer nicht näher bezeichneten Engländerin) besonders gern herabblickt.
Lange Zeit wollte ich mich nicht zu sehr einmischen, da man ja die Autorität der Kollegin nicht noch zusätzlich untergraben will, aber am Ende der Stunde konnte ich dann nicht mehr anders: Die Kinder sollten Zettel und Stifte wegräumen, die beim Poster malen benutzt wurden, und natürlich sah es unter dem Tisch der Terrortanten aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, weil sie sich immer mal wieder mit Papier beworfen haben etc. - und natürlich wurde versucht, abzuhauen ohne aufzuräumen. Das habe ich dann aber unterbunden und besagte Dame fing an, rumzukreischen, dass sie nicht aufräumen wird und ich ihr gar nichts zu sagen habe - alles hübsch im 90°-Winkel an mir vorbei, denn die Traute, einem Lehrer ins Gesicht zu kreischen, besitzt man dann ja mit 13 doch noch nicht so.
Da ein normal lauter Ton so gar nicht zu ihr durchdrang, weil sie einfach zu laut war, habe ich dann zum ersten Mal zu einem Mittel gegriffen, welches ich zwar äußerst zweifelhaft finde, aber das hier permanent im Einsatz ist: Gebrüll. Das entsprechende Vokabular kenne ich schon aus der Klasse, und siehe da: es wirkt auch, wenn es jemand anders benutzt als die richtige Lehrerin. Nicht ganz so nachhaltig, aber für einen Moment zumindest. Ein beherztes DON’T YOU DARE SHOUTING AT ME! erntete erstaunte Blicke und eine Reduzierung ihrer Lautstärke um mehr als die Hälfte. Gezickt wurde natürlich weiterhin, aber ich habe gelernt. In Zukunft brülle ich hier schneller. Ist das nicht traurig?